Geschichte - Lexikon

Bretagne

Geschichte

Geschichte

Umspült von Atlantik und Ärmelkanal liegt das Ende der Welt. Zumindest der für die Römer bekannten Welt und so nannten sie die Region im äußersten nordwestlichen Zipfel Europas auch "Finis Terrae". Bis heute hat sich der Name gehalten und so wird das französische Departement 29 auch heute noch als Finistére bezeichnet. Seltsamerweise haben weder Engländer noch Franzosen den Kanal als natürliche Grenze angesehen und um die Bretagne wurde viele Jahrhunderte lang hart umgekämpft. Aber auch kulturell war der Kanal keine Barriere. Seit dem 5. Jahrhundert wanderten britische Kelten über den Kanal. Sie gründeten das erste bretonischen Königreich Cornoaille, welches sich nur durch das fehlende "s" am Ende vom französischen Wort für Cornwall unterscheidet. Da wir hier keine umfassende Geschichte der Bretagne präsentieren möchten, springen wir ins 16. Jahrhundert. Es ist gerade ein paar Jahre her, dass sich die Bretagne durch Heirat der beliebten Anne de Bretagne fest an Frankreich band und ein von Paris bestellter Gouverneur über das Land herrschte. Die Entdeckung Amerikas war noch gar nicht so lange her und die Bretagne lag jetzt nicht mehr am Ende der Welt, sondern gegenüber einem Kontinent auf dem angeblich silberne Städte gebaut wurden und das Gold nur vom Boden aufgehoben werden musste. Die Bretonen fuhren mit den von der Zentralregierung ernannten Gouverneuren nicht viel schlechter, als wie mit den früheren Herren. Der richtige Aufschwung begann im 17. Jahrhundert, als sich die bretonischen Landstände entschieden hatten den Gouverneursrang an den berühmten Kardinal de Richelieu heranzutragen. Dies geschah zu dem Zeitpunkt, wo Richelieu gerade erst die ersten Stufen der Karriereleiter erklimmt hatte. Es war eine gute Wahl, denn Richelieu vergaß diesen Vertrauensbeweis nie und wurde zu einem großen Fürsprecher der Bretagne. Der Kardinal erkannte zudem sehr schnell die herausragende strategische Lage von Brest, jetzt wo viele europäische Nationen ihre Schiffe über den Atlantik schickten, und begann den natürlichen Seehafen aufzurüsten. Es dauerte nicht Lange und Brest überflügelte das traditionsreiche Le Havre. Bald war auch Ludwig XIV. davon überzeugt, dass die Bretagne das perfekte Sprungbrett nach Amerika war. Die ungezügelten Baumaßnamen in den Hafenstädten, sowohl Schiffe und Verteidigungsanlagen wurden in großen Mengen gebaut, brachten Wohlstand an die Küsten und nur in den seltenen Friedenszeiten machte es sich für die Bewohner unangenehm bemerkbar, dass in der inneren Bretagne sonst keine Industrie zu finden war.

Aufstieg zur wichtigsten Seeprovinz

u Beginn des 17. Jahrhunderts war die Bretagne die wichtigste Seeprovinz Frankreichs. Brest war der größte Militärhafen, Lorient der Sitz der französischen Ostindien-Handelsgesellschaft und von der befestigten Korsarenstadt St-Malo wurde Jagd auf britische Schiffe gemacht. Vor Ludwig XIV. und seinem Kardinal richtete sich die Aufmerksamkeit der französischen Könige immer Richtung Süden zum Mittelmeer und der französischen Mittelmeerflotte. Während die südlichen Provinzen seit der Seeschlacht von Lepanto mit den Machtverhältnissen im Mittelmeer lebten, kam es im Atlantik und im Ärmelkanal immer wieder zu Gefechten. Die Wetterverhältnisse im Nordatlantik forderten ebenfalls mehr von den Seeleuten. Es ist daher nicht nur eine haltlose Behauptung, dass die besten französischen Seeleute aus der Bretagne stammten. 1655 verfügte Ludwig XIV. sogar, dass die Kapitäne der königlichen Flotte einzig aus den Reihen der Bewohner St-Malos rekrutiert werden sollten. Der neue Minister Colbert setzte dort an, wo Richelieu aufgehört hatte. Frankreichs Hauptgegner waren nicht mehr im Mittelmeer zu finden, sondern hießen England und Niederlande. Der ständige Kampf um den Kanal machte sich auch im Aussehen der Städte bemerkbar. Die besten Bauherren, am berühmtesten ist ohne Zweifel Vauban, wurde beauftragt Städte und Häfen zu sichern. Die Überreste des imposanten Verteidungssystems für die Rede von Brest sind heute kaum noch zu sehen. Der Turm von Vauban kann noch heute in der kleinen Hafenstadt Camaret-sur-mer besichtigt werden. Diese Hafenstadt wurde im 17. Jahrhundert stark befestigt um die Einfahrt in den natürlichen Seehafen von Brest zu schützen. Einige Versuche wurden erfolgreich abgewehrt, auch wenn Camaret dabei oft in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Turm steht noch heute, denn die Bomber des 2. Weltkriegs nahmen den direkten Weg um Brest fast völlig zu zerstören. Die historische Stadt wurde fast völlig zerstört und leider nicht wieder aufgebaut. Die eigentlichen Ziele, die U-Boot-Bunker, überlebten die Angriffe und können heute besichtigt werden. 1746 wurden 4.800 englische Soldaten in der Nähe von Lorient abgesetzt. Sie begannen mit den Vorbereitungen um die Stadt zu belagern. Die Verteidiger konnten zwar auf eine große Anzahl von Freiwilligen zurückgreifen, entschlossen sich dennoch die Stadt zu übergeben. Am nächsten Tag fanden sie das Lager der Engländer verlassen.

Niedergang

Die Französische Revolution hatte vor allem unter den hohen Dienstgraden ihre Spuren hinterlassen. Während im Heer die Lücken durch neue Taktiken und Napoleon Bonaparte geschlossen wurden, fehlten in der Marine erfahrene Offiziere im Kampf gegen die britische Royal Navy. Nur wenige wissen, dass bereits zu Anfang des 18. Jahrhunderts die französische Marine einen schweren Schlag hinnehmen musste. Als der Sonnenkönig von Paris aus gegen die Protestanten vorging, traf dies besonders die Bretagne. Plötzlich saßen viele der besten Seeleute, es wurde kein Unterschied zwischen Mannschaft und Offizieren gemacht, angekettet auf Galeeren. Andere wanderten aus, England und die Niederlande waren die begehrtesten Ziele, und mussten sehen wie die hart erkämpften und jahrhundertealte Rechte der Bretonen verloren gingen. Etwa 9.000 Bretonen, vor allem die Oberschicht, verließen die reichen Küstenstädte und suchten sich eine neue Heimat. Als die große französische Revolution ausbrach war die Bindung zwischen Bretagne und Paris längst nicht mehr so eng. Gerade auf dem Land, fernab der reichen Küstenstädte, erhoffte man sich daher sehr viel von den neuen Machthabern in Paris. Die Hoffnung war schnell getrübt. Bereits 1790 verärgerte man die Bewohner der Bretagne mit einer auf dem Kartentisch geplanten Gebietsreform. Alte gewachsene Strukturen wurden auseinander gerissen, als die Bretagne in fünf Departements aufgeteilt wurde. Das war nicht gegen die Bretagne gerichtet, sondern die logische Konsequenz aus dem Prinzip der Gleichheit. Alle Privilegien und Sonderrechte der Provinzen, finanzieller oder anderer Natur, wurden rigoros abgeschafft. Der Aufstand in der Bretagne begann im Februar 1791 in dem kleinen Dorf Plémy. Die Dorfbewohner widersetzten sich gegen den von Paris vorgesetzten Priester. Mit Mistgabeln vertrieben sie ihn und machten ihrem Unmut Luft. Die aufgebrachten Bretonen verfielen in einen richtigen Rausch und wenig später marschierten fast 3.000 von ihnen nach Vannes um für ihre Rechte zu demonstrieren. Die Gewalt eskalierte und es gab 13 Tote. In den folgenden Monaten beruhigte sich das Land nicht mehr. Die Adligen, die es sich nicht leisten konnten alles hinter sich zu lassen, versammelten die Aufständischen um sich. Ihre Hoffnungen lagen weit im Westen, denn dort formierten sich die Heere der feudalistischen Nationen um die Revolution in Frankreich zu beenden. Nach Valmy war die Hoffnung verflogen, dafür kam die Guillotine in die Bretagne. In Paris war man sich über die Unruhen in den weit entfernten Regionen bewusst und begann diese mit gnadenloser Gewalt zu bekämpfen. Für die Bretonen waren die Revolutionäre jetzt ein schlimmeres Übel als die absolutistischen Könige geworden. Der Revolutionär Jean-Baptiste Carrier übernahm in Nantes den Kampf gegen die Aufständischen. Im dortigen Gefängnis hatten sich mittlerweile so viele Gefangene angesammelt, dass die Guillotine mit den Hinrichtungen nicht hinterher kam. So kam man in Nantes auf die grausame Idee die Gefangenen in der Loire zu ertränken. Als "Hochzeit von Nantes" wurden diese Morde bekannt. Man band die Opfer aneinander und warf sie dann Bündelweise in das Wasser. Mehr als 5.000 Menschen sollen so zu Tode gekommen sein. Am 20. Juni 1795 sollte die Bretagne der Ausgangspunkt für die Konterrevolution werden. Unterstützt von Engländern und Exilanten landeten mehr als 4.000 Mann auf der Halbinsel Quiberon. Es gelang ihnen die Hafenstadt Auray einzunehmen, dann trafen sie auf General Hoch dem es gelang ihm die Aufständischen einzuschließen. Über 900 von ihnen wurden in Auray hingerichtet. Zu ihrem Gedenken wurde 1829 auf dem "Champs des Martyr" eine Kapelle errichtet. Heute muss man sich schon fragen, weshalb der Landungsversuch gerade hier stattfand. Ist doch die Halbinsel nur über eine extrem schmale Landbrücke mit dem Festland verbunden und bietet damit kaum Raum für Manöver. Umso schwerer zu verstehen ist es, da einige der Choans aus dieser Gegend stammten und sich der Unzulänglichkeiten der Region bewusst gewesen sein mussten. Aus Auray stammt zudem der berühmteste Choan. Der 1771 geborene Georges Cadoudal trat 1793 den Aufständischen bei. Er war bei dem missglückten Landungsversuch des Jahres 1795 dabei, konnte jedoch flüchten. Im Jahr 1799 stand der Bauernsohn an der Spitze der Choans. Als Napoleon die Revolution mit seinem Putsch beendete, legte auch Cadoudal die Waffen nieder. Doch er wurde enttäuscht und begann schon bald wieder mit dem Freiheitskampf. Diesmal fokussierte er seine Aktionen auf den korsischen Konsul. Zu erst wurden Pläne entwickelt Napoleon zu entführen und so mit aus dem Verkehr zu ziehen. Später wurde die Gruppe um Cadoudal radikaler und man plante Napoleon zu ermorden. In Gefangenschaft verriet Cadoudal schließlich, dass die Widerstandskämpfer auf das Signal eines bourbonischen Prinzen losschlugen und seine baldige Ankunft erwarteten. Dies war für Napoleon, und seinen Polizeichef Fouche, ausreichen um den Herzog von Enghien Mitte März in ihre Gewalt zu bringen um ihn wenige Tage später hinzurichten. Die Ermordung des Herzogs war übrigens das ausschlaggebende Ereignis für die Abkehr eines anderen großen Bretonen, und zwar Châteabriands, von Napoleon Bonaparte. Georges Cadoudal wurde am 12. Juni 1804 hingerichtet.

Erstellt von Threepwood

Suchen auf line-of-battle.de
 

Aus dem Forum
Modell-Reepschlägerei von hwe am 9. Sep. um 13:31 Uhr.
Stehendes Gut - geteert? von hwe am 9. Sep. um 13:24 Uhr.
Links zum Historischen Schiffsmodellbau von McCool am 9. Sep. um 9:32 Uhr.
Supernatural von Threepwood am 8. Sep. um 23:34 Uhr.
Welche Schiffe/Schffstypen würdet ihr euch als Bausatz wünschen? von hwe am 8. Sep. um 22:53 Uhr.

Interviews!
Nachdem wir im November 2007 Julian Stockwin interviewen durften, konnten wir im Februar 2008 einige Fragen an Bernard Cornwell, dem erfolgreichen Autor der Sharpe-Reihe, richten und haben interessante Informationen zu seinen Werken und Figuren erhalten. Lest hier auf www.line-of-battle.de die exklusiven Interviews!

Brander
Die Strategie gegnerische Schiffe mit Hilfe eines brennenden Schiffes zu zerstören wurde bereits in der Antike angewandt. Schiffe, meist alte Fracht- oder Kriegsschiffe, wurden mit brennbarem Material beladen und auf das gegnerische Schiff gelenkt. Die Besatzung steckte kurz vor der Kollision in Brand gesetzt und die Besatzung verließ das Schiff. Der Einsatz von Brandschiffen ging jedoch im 18. Jahrhundert aufgrund der zerstörerischen Artillerie deutlich zurück.

29.9.1758

Horatio Nelson wird im englischen Burnham Thorpe (Norfolk) geboren. Er wird einer der größten englischen Seehelden und im Seekrieg gegen Napoleon die entscheidende Schlacht von Kap [Kontakt] [Impressum]
© 2003-2010 www.line-of-battle.de, Bonn, Alle Rechte vorbehalten. Hintergrundbild mit freundlicher Genehmigung von Richard C. Moore, A.S.M.A.