Umsturzpläne

Zwar wurde Napoleon nach seiner Rückkehr aus Ägypten auf dem Weg nach Paris von den Menschen gefeiert, aber in Paris hatte er noch keine ausreichende Macht um die Verhältnisse zu verändern. Zu seinem Glück trat Joseph Sieyés, der Autor der berühmten Schrift "Was ist der Dritte Stand", mit ihm in Verbindung. Die beiden Männer, so unterschiedlich sie auch waren, fanden schnell zueinander. Sieyés benötigte ein "Schwert" und Napoleon einen erfahrenen Politiker. Gemeinsam arbeiteten sie einen Plan aus um das Direktorium zum Rücktritt zu zwingen. Ohne Exekutive sollten die beiden Ratskammern einen Dreierausschuss ernennen, der eine neue Verfassung erarbeiten sollte. Um Druck auf die Kammern ausüben zu können, sollten die Abgeordneten am 18. Brumaire des Jahres VIII  auf das Schloss Saint-Cloud eingeladen werden.

Napoleon und Sieyés begannen nun Verbündete zu suchen. Neben Talleyrand und Napoleons Brüdern Joseph und Lucien wurden führende Mitglieder des Rates der Alten eingeweiht. Lucien, der mittlerweile zum Vorsitzenden der Fünfhundert gewählt worden war, sollte eine besondere Rolle bei diesem Unterfangen spielen. Auch Fouché führte es in die Rue Chantereine und ließ sich bei Bonaparte melden. Doch dieser konnte mit dem Namen Fouché nichts anfangen und ließ ihn über eine Stunde im Vorzimmer warten. Erst als Napoleon von einem Mitverschwörer über die Bedeutung des Gastes informiert wurde, eilte Napoleon zu seinem wartenden Gast hinaus. Ihr erstes Treffen dauerte zwei Stunden und Napoleon wurde von Fouché genau über die Lage Frankreichs und des Direktoriums informiert. Fouché bot sich als Helfer an, ohne öffentlich Stellung zu beziehen.

Fouché

Der Polizeiminister von Frankreich, sonst bestens über alle Vorgänge informiert, übersah in den nächsten Wochen geflissentlich alle Hinweise auf den bevorstehenden Staatsstreich. Seine täglichen Berichte an die Direktoren erwähnten Napoleon mit keinem Wort. Schweigend verriet er die Regierung.

 

Fouché lud die Verschwörer sogar zu sich ins Haus ein und als Ehrengast erschien Gohier. Als dieser sich nach den neuesten Gerüchten erkundigte, antwortet Fouché nur süffisant, während die anderen Gäste der Atem stockte.

Gohier und Barras blieben die Aktivitäten letztendlich doch nicht verborgen und beide versuchten Napoleon auf ihre Weise zu gewinnen. Aber Napoleon lehnte das Kommando über eine Armee im Ausland ab, sowie Barras Angebot Mitglied einer Verschwörung mit dem Ziel der Wiedererrichtung der Monarchie zu werden.

Napoleon war in einer denkbar ungünstigen Lage für einen Umsturzversuch. Er hatte weder Geld, dieses hatte Josephine in seiner Abwesenheit bereits unter die Leute gebracht, noch hatte er, im Gegensatz zu Caesar als er den Rubikon überschritt, Soldaten unter seinem Kommando.

Saint-Cloud

Am Morgen des 18. Brumaire kommt der Polizeiminister nur sehr schwer aus dem Bett. Erst zwei aufgeregte Boten des Direktoriums gelingt es ihn zu wecken. Er tut überrascht, als man ihn über sich zusammenziehende Truppen und sonderbare Vorgänge im Senat informiert.

Währenddessen hatte Napoleon führende Offiziere zu sich eingeladen und jedem seine Absicht erklärt. Der wichtigste von ihnen war General Lefébvre, der Militärgouverneur von Paris. Napoleon reichte ihm seinen Degen als Zeichen der Anerkennung und nach wenigen Minuten hatte er Lefébvre auf seiner Seite.

Cornet, ein Verbündeter, warnte den Rat der Alten vor einer drohenden royalistischen Verschwörung und riet dazu eine dringende Sitzung im sicheren Schluss Saint-Cloud abzuhalten. Gleichzeitig sollte Napoleon zum Kommandanten von Paris ernannt werden um die Sicherheit der Räte zu gewährleisten. Der Rat der Alten willigte ein und um zehn Uhr leistete Napoleon in den Tuilerien seinen Treueid. 300 Soldaten wurden sofort zu den Direktoren geschickt. Gohier und Moulins traten zurück, doch Barras konnte erst durch Talleyrand und eine halbe Millionen Franc dazu bewegt werden.

Der erste Teil des Plans war aufgegangen, das Direktorium war ausgeschaltet. Jetzt machte sich Napoleon auf den Weg zum Schloss. Kaum haben die Verschwörer mit ihren Truppen die Stadt verlassen, riegelte der Polizeiminister zur "Sicherheit" die Hauptstadt ab. Nur noch Fouchés Boten durften ungehindert passieren, jede Nachricht aus Saint-Cloud ging über seinen Schreibtisch.

Der Rat der Alten tagte in der Galerie d'Apollon und wurde über Rücktritt der Direktoren informiert. Widererwarten beschlossen diese jedoch, ein neues Direktorium zu wählen, statt einen Ausschuss mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung zu beauftragen.

Napoleon wollte jetzt persönlich den Rat umstimmen und gemeinsam mit Berthier und Bourriene betrat er die Sitzung und ergriff das Wort. Doch er versagte dabei auf ganzer Linie. Ohne Vorbereitung und Konzept warf er pathetische Phrasen in den Raum und nach wenigen Minuten hatte er den Rat der Alten gegen sich aufgebracht. Auf Bourriennes Rat hin verließ Napoleon die Sitzung.

Napoleon beschloss den Rat der Fünfhundert persönlich aufzusuchen. Dieser tagte in der Orangerie des Schlosses. Kaum hatte er die Orangerie betreten, schon stürmten die Abgeordneten wütend auf ihn zu. Der Jakobiner Bigonnet packte ihn wütend am Arm und versuchte ihn aus der Sitzung zu drängen. Immer mehr Abgeordnete erhoben sich von ihren Sitzen und gingen gegen Napoleon vor. Sein Bruder Lucien, der als Vorsitzender der Versammlung vorsaß, versuchte die Abgeordneten vergeblich zu beruhigen. Die Abgeordneten dachten nicht daran und forderten die Ächtung des Diktators. Lucien drohte sein Amt niederzulegen und konnte so wichtige Minuten gewinnen. Geordnet sollte nun über die Ächtung, und damit das Todesurteil Napoleons, abgestimmt werden. Lucien teilte Napoleon mit, dass dieser nur noch zehn Minuten hätte um die Situation zu retten.

Napoleon verließ den Saal, ging zu den Soldaten. Er schickte eine Eskorte in die Orangerie um seinen Bruder aus der Versammlung zu holen. Vor den Soldaten hielt er eine Rede und warb um ihr Vertrauen. Erst Lucien brachte den entscheidenden Vorteil. Er, der Vorsitzende des Rates der Fünfhundert, zog seinen Degen und hielt ihn an die Brust seines Bruders. Er versicherte seinen Bruder zu durchbohren, falls dieser die Freiheit der Franzosen unterdrücken sollte.

Von dieser Geste überwältigt stellten sich die Soldaten hinter Napoleon. Leclerc und Murat wurden beauftragt die Orangerie zu räumen. Die Abgeordneten skandierten für die Republik sterben zu wollen und flüchteten gleichzeitig durch die Fenster in die Wälder.

Bis zum Abend gelang es etwa 80 Abgeordnete zu versammeln und diese erklärten das Direktorium für beendet. Wie geplant ernannten sie einen Ausschuss. Napoléon Bonaparte, Emmanuel Joseph Sieyès und Roger Ducos wurden vorläufig zu Konsuln ernannt und einen Monat später durch die neue Verfassung bestätigt. Napoleon war als Erster Konsul der mächtigste Mann Frankreichs geworden.

Der Polizeiminister informierte am nächsten Tag die Bürger von Paris über die Rettung der Republik und das Ende des Direktoriums. Sicher hatte sich Fouché auch für den Fall des Misserfolgs vorbereitet. Ein paar Wochen später wird die Komödie "Die Wetterfahne von Saint-Cloud" uraufgeführt und darin die Rolle des Polizeiministers Fouché vortrefflich parodiert.

Das Konsulat beginnt

Am 13. Dezember trat die neue Konsulatsverfassung in Kraft. Napoleon wurde zum Ersten Konsul auf 10 Jahre gewählt und war damit praktisch Alleinherrscher über Frankreich geworden. Artikel 1 der neuen Verfassung wurde für Napoleon zu einer großen Bürde: "Die französische Republik ist eins und untheilbar." Damit war verfassungsmäßig ausgeschlossen, dass Napoleon bei eventuellen Friedensgesprächen irgendwelche Gebietsabtretungen akzeptieren durfte. Die neue Verfassung wurde im Februar 1800 durch eine Volksabstimmung angenommen und galt formell bis 1815.

Marengo

Bei Marengo kam es am 14. Juni 1800 zum entscheidenden Sieg Napoleons über die Österreicher, auch wenn Napoleon selbst bei dieser Schlacht keinen so großen Einfluss auf die Entscheidung hatte. Der Schlachtverlauf war an Dramaturgie kaum zu überbieten. Die Österreicher waren seit Tagen auf dem Rückzug und Napoleon erwartete ihre Flucht über das Mittelmeer. In Wirklichkeit überraschte der österreichische Oberkommandierende Michael von Melas die Franzosen und versuchte mit seinen Truppen durch die französischen Linien zu brechen. Tatsächlich gelang es ihm die unvorbereiteten Franzosen empfindlich zu treffen. Melas hatte sich bereits aus der gewonnen Schlacht zurückgezogen und das Kommando seinem Stellvertreter General von Zach übergeben, als am Nachmittag die Truppen von Desaix das Schlachtfeld erreichten. Doch auch ihnen gelang es nicht den Vormarsch der Österreicher zu stoppen. Desaix wurde tödlich getroffen und das französische Zentrum zerbrach.

Verzweifelt griff der französischer Kavalleriegeneral François-Etienne Kellermann die Flanke an und es gelang ihm General von Zach zu isolieren. In diesem Moment wandte sich das Blatt und die schockierten Österreicher verfielen in Panik und flohen. Fast die gesamte österreichische Artillerie fiel daraufhin in die Hände der Franzosen. Bereits einen Tag später unterzeichnete der österreichische Oberbefehlshaber einen Vertrag worin er sich verpflichtete, Genua, Piemont und die Lombardei zu räumen.

Während der Konsul Napoleon Bonaparte in Frankreich und Europa seine Position festigte, erfuhr seine Ägypten-Expedition ihren Gnadenstoß. Im Februar des Jahres 1801 landeten britische Truppen bei Abukir um die Franzosen aus Ägypten zu verjagen. Im Sommer gelang es ihnen Kairo zu befreien, im September kapitulierten die französischen Truppen in Alexandria. Damit war die Ägyptenexpedition von Napoleon Bonaparte endgültig beendet.

Österreich und Frankreich schlossen am 9. Februar 1801 in Lunéville Frieden und beendeten damit den 2. Koalitionskrieg. England führte dennoch weiter Krieg gegen Frankreich und schloss erst am 27. März 1802 den brüchigen Frieden von Amiens.

Am 24. März betrat ein neuer Darsteller die weltpolitische Bühne. Nach der Ermordung von Zar Paul I. bestieg sein Sohn als Alexander I. den russischen Thron.

England und Frankreich unterzeichneten am 27. März 1802 den Frieden von Amiens. Die Friedensbedingungen waren besonders in England unpopulär, so sollten wertvolle Stützpunkte wie Kapstadt, Malta und Menorca zurückgegeben werden. Während Menorca tatsächlich von England geräumt wurde, gerieten Frankreich und England über Malta in Streit. Die Engländer weigerten sich Malta zu verlassen, da Napoleon selbst den vereinbarten „Status Quo“ auf dem europäischen Festland nicht einhielt und sein Auge auf die Schweiz geworfen hatte.

Napoleon und die Eidgenossen

Nachdem die französischen Truppen 1802 aus der Schweiz abzogen, entwickelte sich dort eine starke gegenrevolutionäre Bewegung. 1803 stand die Helvetische Republik kurz vor der Teilung. Napoleon Bonaparte versuchte zwischen den Parteien zu vermitteln (médiation) und gleichzeitig den französischen Einfluss in der Schweiz zu vergrößern.

"Helvetien, der Zwietracht preisgegeben, war mit seiner Auflösung bedroht. In sich selbst konnte es die Mittel nicht finden, um wieder zu einer verfassungsmäßigen Ordnung zu gelangen." (Praeambel der Mediationsakte)

Auf seinen Druck versammelten sich Abgeordnete der Schweiz in Paris und erarbeiteten eine neue Verfassung. Mit der Mediationsakte (Acte de Médiation) wurden die Schweizer Kantone gestärkt und die Zentralregierung abgeschafft.

Die Mediationsakte wurde am 19. Februar 1803 von Napoleon unterzeichnet, am 5. März vom Helvetischen Senat angenommen und trat am 10. März 1803 in Kraft. Auf dem Wiener Kongress wurde beschlossen, dass zu den neunzehn Mediationskantonen das Wallis, Genf und Neuenburg ebenfalls zur Schweiz gehörten.