Biographien der napoleonischen Epoche.

St. Helena. Kleine Insel, großer Wahn

St. Helena. Kleine Insel, großer Wahn

Autor: Johannes Willms

Verlag: Marebuchverlag

ISBN: 3866480601

Umfang: 216 Seiten


Kommentar:

Jede Legende braucht entweder einen guten Ausgang oder ein dramatisches Ende. Anders als Cäsar oder J.F. Kennedy konnte Napoleon Bonaparte am letzten Kapitel seiner Legende fleißig mitschreiben. Die Jahre seines Exils auf der kleinen Atlantikinsel St. Helena trugen ebenso zu seinem Ruhm bei, wie die großen Schlachten von Austerlitz oder Waterloo.

Johannes Willms Buch St. Helena. Kleine Insel, großer Wahn widmet sich dem letzten Lebensabschnitt des großen Korsen, dessen Leben auf einer kleinen Insel begann und auf einer noch kleineren Insel endete, obwohl er kurz zuvor ganz Europa beherrschte.

Was das Buch jedoch deutlich von anderen Biographien, oder Büchern über Napoleons Exil, abhebt, ist der Blickwinkel aus der Sicht der Inselbewohner oder gar des kargen Felsens selbst. Die Geschichte der 1800 Kilometer vom Festland entfernt liegenden und nur 122 Quadratkilometer großen Insel St. Helena begann nämlich lange vor dem 15. Oktober 1815, der Anlandung des Kaisers, und endete erst recht nicht mit seinem Tod fünf Jahre später.

Dem Historiker und Journalist Johannes Willms gelingt es darzustellen, oft genug mit einem Augenzwinkern, warum Napoleon für St. Helena nur eine kurze Episode war und ist.

Dazu muss man wissen, dass vor Fertigstellung des Suez-Kanals die Insel ein wichtiger Anlegeplatz für Schiffe auf dem Weg um Afrika war. Dadurch erreichte die Insel ein gewisses Maß an Wohlstand. Dieser wurde jedoch teuer erkauft, denn das Antlitz des subtropischen Inselparadieses wandelte sich in wenigen Generationen zu einem kargen Felsen. Es verwundert daher nicht, dass der 16. November 1869 eine viel größere Rolle für die Insulaner spielt und einen bedeutenden Einschnitt darstellt.

Heute wird St. Helena 26mal im Jahr von einem Postschiff angefahren. Manchmal ankert auch ein Kreuzfahrtschiff vor der Insel und die Passagiere können sich für wenige Stunden die Füße an Land vertreten. Einige davon machen sich bestimmt auf den Weg zum legendären Longwood House, in dem Napoleon lebte und starb, und das heute im Besitz der französischen Regierung ist.

Das Buch ist sicher nicht nur etwas für Napoleon-Enthusiasten. Obwohl man viele interessante Details seines Aufenthaltes und Kampf gegen die „perfiden“ Engländern erfährt, ist es doch mehr eine Hommage an die Insel selbst und ihre Bevölkerung. Es ist eine sinnvolle Ergänzung zu Napoleon. Eine Biographie, ebenfalls aus der Feder von Johannes Willms.

St. Helena. Kleine Insel, großer Wahn (216 Seiten) erschien im März 2007 im Marebuchverlag. ISBN-10: 3866480601 ISBN-13: 978-3866480605

Talleyrand

Titel: Talleyrand

Originaltitel: Die unverstandene Sphinx

Autor: Jean Orieux

Verlag: Societäts-Verlag

ISBN: 3797302312

Umfang: 768 Seiten


Kommentar:

8 Bildtafeln. ISBN 37973 ( 02312). Titel der Französischen Originalausgabe: Talleyrand ou le Sphinx incompris. Flammation 1970
Kommentar:

Talleyrand, die einen fanden ihn Genial, andere hielten ihn für eine Bestie.Es gibt wohl kaum einen Bürger des Vor und Revolutionären Frankreich, der bis weit nach Ende der Nachfolgenden Napoleonischen Kriege mit Unterbrechungen immer Einfluss auf die Politik Frankreichs und somit auf das Schicksal Europas gehabt hat.

Jean Orieux beleuchtet in der Biographie das Leben des undurchsichtigen Politikers sehr Detailliert. Dabei schweift er oftmals auch in Anekdoten ab, die das ganze herrlich erheitern.
Vom Grund für sein Handycap, die Lieblosigkeit seiner Eltern die den Jungen mit dem Verkrüppelten Bein ablehnten, seiner Kindheit im Haus der Grossmutter bis zur Ausbildung auf einer Kirchlichen Schule formt Orieux, nicht immer unumstritten unter den Kennern der Biographien Talleyrand`s, den Charakter des Heranwachsenden.

Seine Kirchliche Laufbahn und sein Anschluss an die Revolution bis zum Exil bilden dann den zweiten Teil der Biographie

Über seine Tätigkeiten im Exil seine Rückkehr nach Frankreich....seine Beteilligung an dem Sturz der Regierung und sein Verhältniss zu Napoleon Buonaparte kann sich der Leser anschliessend ein Bild dieses wiedersprüchlichen Mannes machen. Wiedersprüchlich undurchsichtig und verschlagen, so nannten ihn seine Feinde wie auch seine Freunde.

Niemals liess er sich zu unbeabsichtigten Äusserungen Provozieren.
Orieux stellt ihn aber auch als Geldgierigen Lebemann dar, der er bei dem ständigen auf und ab seiner Finanziellen Situation wohl auch war.

Bis ins hohe alter hinein blieb Talleyrand Politisch aktiv......die letzten grossen Auftritte auf der Politischen Bühne hatte der schon schwerkranke Talleyrand beim Wiener Kongress.

Weiteres aus dem Inhalt Preiszugeben ist schlichtweg unmöglich. Sicher hat Orieux, dem man mit seiner Biographie eine ziemliche Faszination Talleyrands nachsagen kann, ein nicht immer unproblematisches Bild gezeichnet. Seine offensichtlichen Charakterschwächen wurden in dem Buch schon fast wärmstens als politisch vorbildliches Verhalten dargestellt. Dabei hat Orieux sich in einigen Kapiteln schon derart schwärmereisch geäussert, das man seine Biographie zu Hinterfragen geneigt ist. Sie ist aber so flüssig geschrieben, das sie jedem Interessierten dieser Epoche durchaus zu Empfehlen ist, der auch über andere Quellen verfügt und die Biographie nicht ausschliesslich als der Weisheit letzten Schluss in der Frage Talleyrand ansieht.

Der Preis liegt antiquarisch zwischen 10 und 25 Euro , wobei sicher auch auf Qualität und Zustend zu achten ist.

Wellington

Titel: Wellington

Autor: Elizabeth Longford

Verlag: Abacus

ISBN: 0349112916

Umfang: 608 Seiten


Kommentar:

Es handelt sich beim vorliegenden Buch um die gekürzte Fassung einer ursprünglich zweibändigen Biographie, "The years of the sword" (1969) und "Pillar of state" (1972).

"Wellington" ist eine Biographie über den ersten Herzog von Wellington, geteilt (siehe oben) in seine beiden relativ unterschiedlichen Lebenshälften, als Soldat (erfolgreich) und als Politiker (weniger). Gestorben ist er als Iron Duke und einer der wichtigsten Berater von Königin Victoria I.

Man erfährt nicht nur alles wissenwerte, was dieser Mann getan hat, man lernt ihn auch sehr gut kennen, da Longford auch private Quellen wie Briefe und Tagebücher verwendet, so daß man auch Zugang zu seinen intimsten Gedanken und Beziehungen erhält. Es ist ein faszinierendes Bild, das sich da ergibt. Doch trotz einer unübersehbaren Begeisterung der Autorin für ihr Studienobjekt werden auch die düsteren Seiten Wellingtons angesprochen.

Zu kritisieren ist für mich nur die zweite Hälfte, die wohl besonders stark unter der Kürzung gelitten hat. Ohne Hintergrundwissen über das englische politische System dieser Zeit und seine wichtigsten Vertreter ist man hier etwas verloren. Außerdem braucht es wohl auch ein gewisses Grundinteresse für das Thema, da es sonst ein wenig ermüdet, wirklich über jede politische Diskussion informiert zu werden. Oder liegt es nur an mir, daß ich den Soldaten einfach weitaus interessanter (und, ich gestehe, reizvoller) finde als den Politiker?
Auch hat der private Teil in der zweiten Hälfte etwas gefehlt. Mir persönlich war es zB einfach zu wenig, zu erfahren, daß W. offenbar kein gutes Verhältnis zu seinen Söhnen hatte. Und was wurde aus seinen kriegerischen Weggefährten, die Waterloo überlebt haben?

Trotz dieses Kritikpunkts ein wichtiges und gutes Werk, geschrieben in unvergleichlich englischem Stil, teilweise extrem trocken und bissig.
Aber, vielleicht empfiehlt es sich eher, die Antiquariate nach der zweibändigen Ausgabe abzusuchen. Ich bin sicher, daß dann auch der politische Teil interessanter wirkt, weil nicht so geballt.
Wenn ich an "meine" Longford denke, wird es wohl eher "Years of the sword" sein. Dieser erste Band erhält von mir 5:5 Punkten, "Wellington" 4:5.
Trotzdem, wer Interesse an Wellington hat sollte nicht an Longford vorbeigehen, egal in welcher Ausgabe.

Detail am Rande: Elizabeth Longford (1906-2002) war verheiratet mit Frank Pakenham, Earl of Longford, einem Urgroßneffen von Kitty Pakenham, der ersten Herzogin von Wellington. Was wohl zumindest einen Teil ihres exzellenten Quellenmaterials erklärt.